Bonus-Epilog - Wellen von uns

Bonus-Epilog - Wellen von uns

Drei Jahre später

Sam

Der Regen hatte sich gerade erst verzogen, da zeigte sich bereits die Sonne in all ihrer Macht durch die ersten größeren Wolkenlücken. Vom Verandadach tropfte noch Wasser, während der Wind mit den Eukalyptusblättern spielte und ein flirrendes Licht auf unser Zuhause warf. Ich saß auf der Türschwelle, eine Tasse Tee – ja, in letzter Zeit hatte ich öfter zu Tee statt zu Kaffee gegriffen – in der Hand, und sah zu, wie Logan mit all seinem Charme versuchte, die Hühner aus dem Gemüsegarten zu vertreiben.

Offensichtlich hatte jemand vor dem einsetzenden Gewitter vergessen, den Stall zu kontrollieren.

»Ihr seid schlimmer als jeder Reporter«, rief er, die Hände in die Hüften gestemmt. »Man gibt euch einen Zentimeter und ihr nehmt euch gleich das ganze Beet!«

Ich schnaubte in meinen Tee. »Vielleicht haben es ihnen auch einfach deine Tomaten angetan.«

»Das passiert den Besten«, konterte er, ohne den Blick von den Hühnern zu nehmen.

Typisch Logan. Surf-Gott, Stiftungsleiter, Charmeur. Und trotzdem unfähig, das Tor ins Hühnerimperium richtig zu schließen.

Seit er in Wombats End aufgeschlagen war – zum zweiten und letzten Mal –, hatte er Forever Chance von hieraus weiter aufgebaut und gemanagt. Mein Büro im Resort war mittlerweile in einen größeren Raum umgezogen, sodass ein zweiter Schreibtisch Einzug in mein Refugium hatte halten können. Von dort aus koordinierte er seine Unternehmungen, was auch das Wombats End Community-Projekt für Umweltbildung, Jugendförderung und Nachhaltigkeit mit einschloss. Noch immer ganz der Sonnyboy, nur mit einem viel größeren Herzen.

Ich liebte ihn jeden Tag ein bisschen mehr dafür.

Meine Wenigkeit selbst leitete weiterhin das Resort, das inzwischen ein echter Dreh- und Angelpunkt für Gäste, Künstler und Freiwillige geworden war.

Manchmal fragte ich mich, wie wir das alles geschafft hatten zwischen Spendenaktionen, Bauprojekten und unzähligen Fahrten durch den roten Staub.
Aber dann sah ich zu Logan hinüber, der jetzt triumphierend eine Henne auf dem Arm hielt und grinste, als hätte er gerade die Welt gerettet, und wusste es wieder.

Das Haus, in dem wir lebten, stand auf dem Stück Land am Rand der Farm, das Ethan uns zur – zweiten – Hochzeit geschenkt hatte. Eine großzügige Geste, die er mit den Worten kommentiert hatte: »Wenn ihr hier Wurzeln schlagt, dann bitte richtig.«

Wir hatten das Haus gemeinsam geplant – groß genug für Gäste, klein genug, um nie das Gefühl zu verlieren, worauf es im Leben wirklich ankam.

Und bald würde hier noch mehr Trubel einkehren, als uns das Leben mit den Hühnern sowieso schon bescherte, dachte ich mit einem Kloß im Hals, während ich eine Hand langsam über meinen Bauch wandern ließ.

»Puh«, schnaufte Logan, als er schließlich auf die Veranda zurückkam und sich mit einem Ächzen neben mir niederließ, die Henne noch immer unter den Arm geklemmt. »Hätte nie gedacht, dass mich das Leben in der Wüste so auf Trab halten würde.«

Ich legte den Kopf an seine Schulter, spürte den vertrauten Rhythmus seines Atems. »Ich auch nicht.«

Er drehte sich zu mir und seine Stimme wurde weich. »Ich brauchte nur den richtigen Kompass.«

Es folgte ein Kuss auf meinen Kopf und ich lächelte. Ließ die Worte in mir nachhallen und blickte hinaus, wo der Himmel über dem Outback in Pastellfarben erstrahlte, so weit und offen, dass einem geradezu das Herz wehtat. Und wusste, dass das geliebte Meer nie weit weg war. Dass wir jederzeit in Logans – unser – Haus in Manly zurückkehren konnten, wenn uns der rote Staub und die brütende Hitze des Outbacks zu viel wurden.

Aus dem Inneren drang Musik zu uns. Lily war gestern aus Brisbane gekommen, da die Semesterferien anstanden. Sie hatte nach ihrem Highschool-Abschluss ein Studium in Bewegungstherapie begonnen und tanzte mittlerweile wieder, als wäre nie etwas gewesen. Heute Morgen erst hatte sie mit Logan an der Quelle auf Ethans Farm geplanscht und gelacht, beide barfuß, beide völlig durchnässt.

Und ich? Ich hatte sie beobachtet, wie sie sich drehte, ins Wasser hüpfte und Logan nass spritzte, und nicht zum ersten Mal gedacht, dass Wunder doch geschahen. Man musste nur an sie glauben.

Jetzt, in der späten Sonne des Tages, legte Logan den Arm um mich und stieß ein tiefes, zufriedenes Seufzen aus, während die Henne beleidigt gackerte, sich aus seinem Griff befreite und davonflatterte.

Ich lachte, schmiegte mich noch ein bisschen enger in die Umarmung, und Logan drückte mir einen weiteren Kuss auf die Stirn.

Und ich wusste: Das Meer würde uns beide nie wieder trennen. Im Gegenteil, es schweißte uns nur noch enger zusammen.


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