Ch. 5 - Behind the Chapter: Q&A: Warum ich diesen Weg gehe
Seit ich The Inner Chapter geöffnet habe, erreichen mich immer wieder ähnliche Fragen. Manche kommen von Leser:innen, andere von Autor:innen oder Menschen, die meinen Weg schon länger begleiten. Fast alle drehen sich um denselben Gedanken: Warum ein Memberbereich? Warum gerade jetzt? Und was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Namen?
Während ich eure Nachrichten gelesen habe, ist mir bewusst geworden, dass sich viele dieser Fragen nicht mit einem Satz beantworten lassen. Sie brauchen etwas mehr Raum, weil sie letztlich gar nicht nur von einer Membership handeln, sondern auch von meinem Schreiben, meinem Blick auf Kreativität und der Art, wie ich sichtbar sein möchte.
Deshalb möchte ich sie heute sammeln und beantworten – nicht hinter einer Paywall, sondern ganz bewusst für alle frei zugänglich.
Warum machst du einen Mitgliedsbereich und teilst deine Beiträge nicht einfach kostenlos für alle?
Diese Frage habe ich vermutlich am häufigsten gelesen. Und ehrlich gesagt habe ich sie mir selbst lange gestellt.
Über viele Jahre habe ich fast alles frei geteilt. Gedanken, Einblicke in meine Bücher, Erfahrungen aus dem Autorinnenalltag und Dinge, die mich beschäftigt oder weitergebracht haben. Das hat sich für lange Zeit genau richtig angefühlt.
Allmählich hat sich allerdings etwas verändert. Nicht, weil ich weniger teilen wollte, sondern weil das, was ich schreiben wollte, persönlicher geworden ist. Tiefer. Weniger darauf ausgerichtet, einen schnellen Mehrwert zu liefern, sondern vielmehr den Prozess dahinter sichtbar zu machen.
Mir wurde klar, dass ich keinen weiteren Ort für schnellen Content schaffen möchte. Ich wollte einen eigenen Raum erschaffen: Für Texte, die nicht zwischen zwei Instagram-Posts verschwinden. Für Gedanken, die länger nachhallen dürfen. Für Fragmente aus Romanen, an denen ich gerade arbeite, und für Erkenntnisse, die noch nicht abgeschlossen sind.
The Inner Chapter ist deshalb für mich kein Produkt. Es fühlt sich eher an wie ein Arbeitszimmer, dessen Tür ich geöffnet habe. Ein Raum, in den Menschen eintreten können, die genau das interessiert: der Weg hinter den Büchern.
Die Mitgliedschaft ist für mich deshalb auch keine Bezahlung für Informationen. Sie ist vielmehr ein bewusstes Ja zu diesem Raum. Ein Zeichen dafür, dass jemand Lust hat, nicht nur das fertige Buch zu lesen, sondern auch die Kapitel, die mitten im Prozess entstehen.
Was bekomme ich als Member genau? Und passt das überhaupt zu mir, wenn ich kein:e Autor:in bin?
Diese Frage möchte ich mit einer Gegenfrage beantworten: Interessierst du dich für Geschichten? Nicht nur für die fertigen, sondern auch für die, die gerade entstehen? Dann bist du hier richtig.
Natürlich gibt es feste Rubriken. In den Draft Diaries teile ich Ausschnitte aus meinen aktuellen Romanen, unveröffentlichte Szenen oder erste Ideen. The Writer's Room nimmt euch mit in meinen kreativen Prozess – dorthin, wo Figuren entstehen, Konflikte wachsen oder ein Plot plötzlich eine ganz neue Richtung einschlägt. Behind the Chapter erzählt von meinem Alltag und den Gedanken, die zwischen den Büchern entstehen, während sich Inner Work mit den Themen beschäftigt, die mich innerlich bewegen und oft auch mein Schreiben verändern.
Doch keine dieser Rubriken versteht sich als Anleitung. Ich möchte niemandem erklären, wie Schreiben funktioniert oder wie man kreativer lebt. Ich dokumentiere meinen eigenen Weg. Vielleicht erkennt sich jemand darin wieder. Vielleicht auch nicht. Beides ist vollkommen in Ordnung.
Warum fühlt sich The Inner Chapter so persönlich an? Ist das nicht zu viel Teilen?
Ich glaube, wir verwechseln Persönlichkeit oft mit Privatsphäre. Persönlich zu schreiben bedeutet für mich nicht, alles zu erzählen. Es bedeutet vielmehr, bewusst auszuwählen, welche Erfahrungen ich teilen möchte und warum.
Es gibt viele Dinge, die ausschließlich mir gehören. Und es gibt Themen, die ich erst dann aufschreibe, wenn ich ihnen mit etwas Abstand begegnen kann. Mich interessiert dabei nicht der schnelle Impuls. Mich interessiert die Erkenntnis.
Wenn ich etwas veröffentliche, dann nicht, weil ich im jeweiligen Moment einfach alles loswerden muss. Sondern weil ich das Gefühl habe, dass sich aus einer Erfahrung etwas herauskristallisiert hat, das über mich selbst hinausgehen darf.
Wie schaffst du es eigentlich, jede Woche einen Beitrag zu schreiben? Wird dich das nicht irgendwann stressen?
Vor ein paar Jahren hätte mich diese Frage wahrscheinlich verunsichert. Damals hätte ich vermutlich angefangen auszurechnen, ob ich genug Themen habe oder ob mir irgendwann die Ideen ausgehen. Heute fühlt sich das erstaunlich leicht an.
Nicht etwa, weil ich disziplinierter geworden wäre, aber ich habe etwas erkannt: Ich schreibe ohnehin jede Woche. Ich notiere Gedanken in meinem Notizbuch, halte Szenen fest, schreibe an Romanen, mache mir Notizen über Bücher, Gespräche oder kleine Erkenntnisse aus meinem Alltag.
Der Unterschied besteht nicht darin, dass ich plötzlich mehr schreibe. Ich behalte jetzt weniger davon nur für mich. Was früher ausschließlich in meinen Notizbüchern oder Manuskripten geblieben wäre, bekommt heute einen Platz im Inner Chapter.
Das wöchentliche Schreiben kostet mich deshalb weniger Energie, als man vielleicht vermuten würde. Es sortiert meine Gedanken. Es hält mich nah an meinem eigenen Prozess. Und es erinnert mich immer wieder daran, warum ich überhaupt schreibe.
Ich glaube, genau das ist der eigentliche Kern dieser Membership. Sie ist kein zusätzlicher Punkt auf meiner To-do-Liste. Sie ist längst Teil meines (kreativen) Lebens geworden. Wenn ich heute auf The Inner Chapter schaue, sehe ich auch nicht in erster Linie ein Projekt. Ich sehe einen Ort, an dem ich mein Schreiben begleiten darf, während es entsteht. Einen Ort, an dem nicht nur fertige Bücher Platz haben, sondern auch all die kleinen Gedanken, Umwege und Entwicklungsschritte dazwischen.
Ob jemand diesen Weg als Member mitgeht oder nur gelegentlich hier vorbeischaut, macht dabei keinen Unterschied für meine Dankbarkeit. Allein die Tatsache, dass sich Menschen für das interessieren, was zwischen den Seiten passiert, berührt mich jedes Mal aufs Neue.
Und vielleicht ist genau das der schönste Gedanke von allen: Geschichten beginnen selten mit dem ersten Kapitel. Oft beginnen sie schon lange davor. Nämlich genau dort, wo wir uns entscheiden, die Tür zu öffnen und jemanden daran teilhaben zu lassen.
Alles Liebe

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