Leseprobe Wellen von uns
Down Under Dreams 2
Sydney Herald
Lifestyle & Entertainment – 14. August
Vows Unseen: Australiens gewagtestes Dating-Experiment startet nächste Woche
Sydney – Kann man die große Liebe finden, ohne sich je gesehen zu haben? Diese Frage will Australiens neueste Reality-Sensation beantworten. Der Streaming-Gigant Southern Stream präsentiert mit Vows Unseen ein Format, das weltweit für Aufsehen sorgen dürfte ... und das Versprechen wagt, Romantik neu zu definieren.
Das Konzept ist ebenso einfach wie radikal: Zwanzig Singles – zehn Frauen und zehn Männer – schreiben ihre eigenen Liebesgelübde, ohne zu wissen, wem sie diese widmen. Die Texte werden anonym vorgelesen, erst dann beginnen die ersten Gespräche; geführt über Stimmen, nicht über Blicke. Keine klassischen Dates, kein Smalltalk beim Dinner, sondern Wort an Wort, Versprechen an Versprechen. Hier zählt, ob jemand die richtigen Saiten im Herzen des anderen zum Schwingen bringt.
Wer glaubt, im unsichtbaren Gegenüber den richtigen Menschen gefunden zu haben, muss eine Entscheidung treffen: ein verbindliches »Ja«, gesprochen, bevor auch nur ein Blick getauscht wurde. Sagt der zweite Kandidat ebenfalls zu, folgt der Moment der Wahrheit. Die Vows werden enthüllt, die Person tritt hervor. Und was auf den ersten Blick nach Romantik klingt, hat unmittelbare Konsequenzen. Das Paar heiratet sofort.
Ja, richtig gelesen: Bei Vows Unseen gibt es keine Verlobungen, keine Probezeit. Wer »Ja« sagt, heiratet – sofort, offiziell, rechtlich bindend.
Das Happily-Ever-After mit Preisetikett
Doch Romantik ist nicht das einzige Versprechen dieser Show. Auf die Paare wartet ein handfester Anreiz: 250 000 Dollar Preisgeld werden an das Paar vergeben, das das Publikum zum Most Inspiring Couple wählt.
Ein Teil dieser Summe muss einem sozialen oder wohltätigen Zweck zugutekommen. Eine Auflage, die laut den Produzenten den »wahren Kern von Liebe: Selbstlosigkeit« widerspiegeln soll. Die restliche Gewinnsumme steht dem Paar zur freien Verfügung. Egal, ob als Startkapital für das gemeinsame Leben, für ein Haus am Meer oder für die Flitterwochen, die über den Bildschirm hinausreichen.
»Liebe ist mehr als ein Blick in die Augen«, sagt Produzentin Leslie Summers. »Wir wollen beweisen, dass echte Verbindungen entstehen können, wenn man alles andere ausblendet. Die Zuschauer dürfen sich auf echte Emotionen, überraschende Wendungen und auf hoffentlich zehn Happy Ends freuen.«
Wer wagt, gewinnt?
Die Kandidaten sind so vielfältig wie das Land selbst: eine Grundschullehrerin aus Perth, ein Surfweltmeister von der Gold Coast, eine Resortmanagerin aus Queensland, ein junger Unternehmer aus Melbourne, eine Musikerin aus Byron Bay. Vom Outback bis in die Metropolen – Vows Unseen bringt Menschen zusammen, die sonst kaum je in derselben Bar, geschweige denn vor dem Traualtar gestanden hätten.
Nach den Hochzeiten geht es für die frisch verheirateten Paare in die Honeymoon-Trials. Exotische Schauplätze von tropischen Inseln bis zum roten Herzen des Outbacks warten auf sie. Hier wird die Liebe auf die Probe gestellt: Alltag, Nähe, Konflikte. Am Ende entscheidet das Publikum: Wer verdient den Titel »Australiens Lieblingspaar« – und das Preisgeld?
Ob Vows Unseen tatsächlich das Geheimnis ewiger Liebe lüftet oder nur die nächste Fernsehillusion produziert, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Ab nächster Woche schaut ganz Australien zu, wenn Fremde einander blind das größte Versprechen geben, das es gibt.
Die Kandidaten von Vows Unseen im Überblick
Die Kandidaten durften sich bereits vor sechs Monaten bei dem Dreh zur ersten Staffel beschnuppern. Euch stellen wir sie hier heute exklusiv das erste Mal vor.
Samantha »Sam« Carter (31) – Resortmanagerin aus Wombats End, Queensland. Bodenständig, ernsthaft, sagt von sich selbst: »Ich bin die Letzte, die man bei einer Reality-Show erwarten würde.« Hat aber gute Gründe, hier zu sein.
Logan Matthews (25) – Surfweltmeister von der Gold Coast. Charmant, selbstironisch, sagt: »Ich habe alle Ozeane erobert, aber noch nie ein Herz.«
Amelia Torres (27) – Grundschullehrerin aus Perth. Quirlige Optimistin, die an Märchen glaubt und ihre Schüler als »meine kleinen Glücksbringer« bezeichnet.
Caleb Harris (29) – Unternehmer im Tech-Bereich aus Melbourne. Locker, aber ehrgeizig.
Chloe Martin (25) – Krankenschwester aus Melbourne. Direkt, herzlich, steht auf klare Ansagen. Ihre Bewerbung: »Wenn man Menschen jeden Tag rettet, will man auch mal selbst gerettet werden.«
Jack Cooper (28) – Feuerwehrmann aus Sydney. Bodenständig, endloser Kaffeetrinker, sucht »eine Frau, die mein Feuer löscht«.
Zara Nguyen (29) – Start-up-Gründerin einer Fitness-App aus Sydney. Ehrgeizig, stylish, liebt es, Kontrolle zu haben.
Calvin Wright (30) – Winzer aus South Australia. Genussmensch, mit Hang zu Romantik und Rotwein.
Olivia Grant (30) – Juristin aus Brisbane. Smart, eloquent, laut eigener Aussage »die Frau, die jeden Richter überzeugen kann. Hoffentlich auch einen Mann«.
Mason Lee (25) – Profifootballspieler aus Sydney. Sportlich, großspurig, aber hat laut Freunden ein »riesengroßes Herz«.
Hannah O’Connor (26) – Musikerin und Singer-Songwriterin aus Byron Bay. Verträumt, kreativ, »auf der Suche nach jemandem, der nicht nur meine Songs, sondern auch mich versteht«.
Noah Singh (27) – Arzt im Praktikum aus Brisbane. Ernst, liebevoll, will »jemanden, mit dem ich gemeinsam heilen kann«.
Isabelle »Izzy« White (28) – Influencerin aus Adelaide, spezialisiert auf Mode & Beauty. Motto: »Love, Likes & Lashes«.
Connor James (31) – Bauleiter aus Newcastle. Ehrlich, bodenständig, sagt: »Ich baue Häuser. Jetzt will ich eine Familie bauen.«
Grace Bennett (32) – Ärztin aus Hobart, Tasmanien. Sehr ernst, aber mit trockenem Humor. »Ich habe gelernt, wie fragil das Leben ist. Jetzt will ich meins teilen.«
Oliver »Ollie« Price (29) – Comedian aus Perth. Sprücheklopfer, lacht am liebsten über sich selbst.
Natalie Brooks (24) – Studentin, Psychologie, aus Cairns. Jung, offen, beschreibt sich selbst als »alte Seele in jungem Körper«.
Benjamin Ward (26) – Banker aus Sydney. Ehrgeizig, liebt Statussymbole, sagt: »Liebe ist auch ein Investment.«
Sophie King (27) – Flugbegleiterin aus Darwin. Abenteuerlustig, weltoffen, immer unterwegs, sucht »jemanden, der mein Ticket ins Leben ist«.
Lucas Brown (28) – Ranger im Kakadu-Nationalpark. Naturverbunden, schweigsam, aber loyal.
Kapitel 1
Sam
Manchmal fragte ich mich, ob das Outback mich testen wollte.
Nicht mit Sandstürmen, giftigen Schlangen oder dieser Hitze, die einem das Hirn frittierte. Nein. Sondern mit Menschen. Gästen, um genau zu sein. Die Spezies, die man in meiner Jobbeschreibung so liebevoll »Luxusreisende mit besonderen Ansprüchen« nannte.
»Ms Carter, mein Kokoswasser ist nicht kalt genug.«
»Samantha, könnte das Känguru bitte woanders hüpfen, während ich Yoga mache?«
»Das WLAN im Busch funktioniert nicht. Ich erwarte eine Gutschrift.«
Ja, manchmal musste ich mich regelrecht daran erinnern, dass ›operative Leitung im Wombats End Eco Resort‹ nicht gleichbedeutend mit ›persönliche Outbackfee für verwöhnte Städter‹ war.
Aber dann sah ich die Kids.
Die Teenager aus unserem brandneuen Community-Projekt. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, die wir hierherholten, damit sie einen Ort hatten, an dem sie nicht nur behandelt, sondern gefeiert wurden. Sie lachten im Pool, tummelten sich mit den Pferden auf der Weide, malten mit Händen voller roter Erde.
»Sam!« Lilians Stimme hallte quer über die Terrasse hinter der Rezeption. Meine kleine Schwester schaffte es täglich, selbst im Rollstuhl mehr Energie zu verströmen als ich nach drei Espressi. »Du musst das sehen! Er macht schon wieder den Känguru-Reporter.«
Ich drehte mich um. Und tatsächlich: Eines der Kinder des Community-Projekts – ein neunjähriger Junge mit motorischer Einschränkung und einer Fantasie, die Berge versetzen konnte – humpelte durch den Garten. Das Mikrofon in Form einer Trinkflasche hielt er vor sich ausgestreckt und kommentierte das Verhalten eines völlig desinteressierten Wallabys. Ein Blick auf Lily zeigte mir, dass sie Tränen lachte, und ich spürte, wie mein Herz sich in eine warme Pfütze verwandelte und davonfloss.
Das war einer der Momente, die alles rechtfertigten. Jede Überstunde, jedes Kokoswasser-Gate, jede Budget-Diskussion mit Ethan, dem Besitzer des Resorts und der Farm, auf der besagtes Resort stand.Und trotzdem … war da immer noch dieser eine Schatten.
Das, was keiner je laut auszusprechen wagte.
Meine Vergangenheit, die gar nicht so vergangen war.
Nicht, dass ich es irgendjemandem hier auf die Nase band. Verheiratet fühlte sich wie ein Etikett an, das man mir gegen meinen Willen aufgedrückt hatte. Ein Relikt aus einer Entscheidung, die ich vor etwas mehr als zwei Jahren getroffen hatte.
Aus Verzweiflung, Liebe und einer ordentlichen Portion Wahnsinn.
Und wenn ich ehrlich war, hatte ich bis heute nicht herausgefunden, was davon am schwersten wog.
»Sam, du träumst.« Lily zwinkerte mir zu. Sie durchschaute mich einfach immer.
Ich schüttelte den Kopf, zwang mir ein Lächeln auf. »Ich? Niemals. Ich zähle nur, wie viele Espressi ich brauche, um diesen Tag zu überleben.«
»Espresso, hm?« Lily zog die Augenbrauen hoch. »Nutzt du das immer noch als deine Standardausrede? Ich dachte, du bist einfach von Natur aus so …« Sie machte eine ausladende Geste in meine Richtung.
»So was?« Ich stemmte die Hände in die Hüften und sah empört zu ihr hinunter.
»Grummelig.«
Dieses Biest.
Ich prustete los. »Sag das mal den TripAdvisor-Bewertungen. Da steht immer ›Ms Carter, unglaublich professionell, effizient, herzlich‹.«
»Herzlich? Du?« Lily lachte erneut, und ich konnte nicht anders, als mitzulachen. Auch wenn sie ein kleines Biest war. Aber das hatten kleine, achtzehnjährige Schwestern wohl so an sich.
Es war dieses Lachen, das mich seit Jahren über Wasser hielt. Seit jenem Tag vor etwas mehr als drei Jahren, an dem sie zum ersten Mal im Rollstuhl saß. Bis zu diesem Tag hatten wir alle – Lily, unsere Eltern, ich – gedacht, es wäre nur eine Phase. Schmerzen in den Beinen, Schwellungen, das Übliche, was unser Hausarzt in Wombats End mit »Wachstumsschmerzen« abgetan hatte. Aber die Symptome verstärkten sich nur rasant weiter, bis wir schließlich an Spezialisten in Brisbane vermittelt wurden, die nicht lange mit der Diagnose auf sich warten ließen. Juvenile idiopathische Arthritis. So aggressiv, dass sie innerhalb von Monaten Lilys Gelenke zerstörte.
Da war sie gerade fünfzehn. Ein Teenager mit Träumen, mitten zwischen ersten Dates, Schulbällen und dem Wunsch, irgendwann Modedesignerin zu werden. Stattdessen bekam sie Schmerzmittel, Physiotherapie und die Aussicht, dass ihre Beine sie nicht mehr lange tragen würden.
Ich erinnerte mich noch heute genau daran, wie ich an dem Tag in der Küche bei meinen Eltern stand, den Arztbericht in der Hand, und die Worte vor meinen Augen verschwammen. Ich war so unfassbar wütend, so hilflos gewesen. Und entschlossen, etwas zu tun. Ich wusste nicht was, nur, dass ich etwas tun musste. Das war schließlich meine Pflicht als große Schwester und Erstgeborene, nachdem meine Eltern bereits genug gelitten hatten. Nicht nur emotional und physisch hatten ihnen die Wochen und Monate seit dem Auftreten der ersten Symptome alles abverlangt. Die Fahrerei, das Aufsuchen von Spezialisten, Medikamente, Therapien. Auch finanziell hatten meine Eltern – ein Farmarbeiter und eine Erzieherin in einem Kindergarten – alles geben müssen.
Natürlich war ich eingesprungen, als die Ärzte in Brisbane von einer mehrstufigen Operation in Sydney gesprochen hatten. Neue Hüftgelenke, Korrektur der Beinachsen, lange Reha. Keine Garantie, aber eine Chance.
Eine Chance, die eine Viertelmillion Dollar kostete und nur teilweise von der Krankenversicherung übernommen wurde.
Und ich wusste: Mein damaliges Gehalt als Gästemanagerin im Eco-Resort würde nicht einmal die erste OP abdecken.
Also sagte ich ja.
Zu einer Reality-Show, die sich wie ein schlechter Witz angehört hatte und doch meine einzige Hoffnung gewesen war.
Lilys einzige Hoffnung.
»Du denkst schon wieder an früher, oder? An ihn?« Lily musterte mich, als könnte sie meine Gedanken lesen. Und ehrlich gesagt: Meistens konnte sie das. Deshalb sprach sie auch nur von ihm, statt seinen Namen in meiner Gegenwart laut auszusprechen.
»Ein bisschen.« Ich zwang mich zu einem lockeren Tonfall. »Die gute, alte Zeit, in der du mich noch nicht öffentlich bloßgestellt hast«, ignorierte ich bewusst den zweiten Teil ihrer Frage.
»Ach komm schon.« Sie winkte ab. »Ohne Vows Unseen hätte ich die erste OP nie bekommen. Und jetzt … sieh mich an.«
Sie tippte sich auf ihre Beine, wackelte mit den Zehen. Und mit den Augenbrauen, während sie mich angrinste.
Noch immer saß sie im Rollstuhl. Aber wenigstens nicht mehr mit diesen ständigen Schüben, nicht mehr mit den Schmerzen, die sie schreiend hatten aufwachen lassen. Die ersten beiden Operationen, vor anderthalb Jahren und im letzten Winter, hatten Wunder gewirkt.
»Stufe drei ist nur noch einen Katzensprung entfernt.« Ich lächelte sie an, als könnte mein Optimismus sie tragen. Als ob es nicht die meiste Zeit genau andersherum gewesen wäre. »Und dann …«
»Dann stehe ich auf zwei Beinen neben dir auf der Farm und renne vor den Wallabys weg?« Sie grinste weiterhin. Aber diesen Schimmer, der in ihren Augen lag – Hoffnung und Angst, beides zugleich – konnte sie nicht verbergen. Nicht vor mir.
Es waren die gleichen Gefühle, die auch mich nachts wachhielten.
Ich legte ihr eine Hand auf die Schulter und drückte liebevoll zu. »Dann rennst du vor allem vor mir und meinen Vorträgen über vernünftige Lebensentscheidungen weg.«
Mein Tag verlief weiter wie jeder andere. E-Mails mussten gecheckt, Beschwerden bearbeitet, Gäste ein- und ausgecheckt werden, als Sally vom Empfang eine späte und wohlverdiente Mittagspause machte. Ethan streifte mehrmals durch die Lobby, brummte über Budgetpläne und ließ nebenbei durchsickern, dass Ella mal wieder in der Küche experimentierte und dabei den halben Vorrat an Avocados verbrauchte, weil sie einer ihrer Klienten in Brisbane in den Wahnsinn trieb.
Zwischendurch half ich bei einem Workshop mit den Kids, heute Malerei auf Leinen. Einer der Jungs, Ben, pinselte mit ernster Miene ein Känguru mit Boxhandschuhen und passender Pose, bereit für den Kampf. Lily kicherte, half ihm, und ich sah, wie ihre Augen aufleuchteten. Genau dafür lohnte sich alles. Sie hier in ihren Sommerferien bei mir im Resort zu haben, hätte mich nicht glücklicher machen können.
Die Lobby war erfüllt vom Summen der Gäste, vom Klingen der Gläser in der angrenzenden Bar und den warmen Windzügen, die durch die weit geöffneten Glastüren wehten, während ich mich durch die Reservierungen für die nächsten Tage klickte.
»Sam?«Ich blickte vom Bildschirm auf. Ethan stand vor mir, sein Tablet in der Hand. »Ja?«
Er ließ den Blick für einen Moment auf seinem Tablet und tippte darauf herum, bevor er mich ansah. »Wir müssen dringend über das neue Outdoor-Deck sprechen. Wenn wir die Terrasse erweitern wollen, kostet das ein kleines Vermögen, aber die Nachfrage nach Sunset-Dinners steigt …«
Ich nickte, versuchte zuzuhören. Wirklich. Doch die Worte flatterten wie belanglose Fetzen an mir vorbei.
Weil genau in diesem Moment die Tür aufschwang.
Und er eintrat.
Sonnengebräunt, lässig, größer als ich ihn in Erinnerung hatte. Und mit diesem Lächeln, das eine Welle in mir lostrat, der ich noch nie hatte entkommen können.
Alles in mir und um mich herum stoppte.
Die Luft.
Das Licht.
Mein Atem.
Mein Herz.
Selbst der blöde Ventilator an der Decke, der sonst nie aufhörte zu rattern.
Es war, als hätte jemand die Vergangenheit mit einem Schlag zurück in meine Gegenwart geschleudert.
Logan.
Mein Ehemann.
Der Surfweltmeister, der PR-Gag, der Mann, der mir einmal das Gefühl gegeben hatte, dass ich wirklich gesehen wurde ... und der mich dann fallen gelassen hatte wie eine heiße Kartoffel.
»Sam?« Ethan runzelte die Stirn. »Hörst du mir zu?«
Ich riss den Blick von der Tür los, zwang meine Lippen zu einem angedeuteten Lächeln. »Natürlich. Outdoor-Deck. Teures Vergnügen. Ich habe alles.«
Er sah mich prüfend an, als hätte er das Gefühl, ich wäre gerade in einen Parallelkosmos abgetaucht. Und lag damit gar nicht mal so falsch. »Geht es dir gut?«
»Alles bestens.« Meine Stimme war zu hoch, zu schnell, zu schrill. Viel zu verdächtig. Zittrig versuchte ich, einen tiefen Atemzug zu nehmen. Vergeblich.
Ethan zögerte, doch schließlich zuckte er mit den Schultern und begann, sich von mir zu entfernen. »Na schön. Aber denk dran, wir müssen bis Freitag entscheiden«, rief er mir beim Weggehen noch zu.
Sein Abgang war ein schwacher Trost. Denn der eigentliche Orkan stand immer noch in der Tür.
Kaum war Ethan durch die Terrassentür nach hinten Richtung Pool verschwunden, kam Bewegung in Logan. Er durchquerte die Lobby mit diesem selbstverständlichen, federnden Gang, als gehörte ihm jeder Quadratmeter Boden. Gespräche um uns herum verklangen, oder vielleicht bildete ich mir das auch nur ein.
Bis er schließlich vor mir stehen blieb.
Viel zu nah.
Und viel zu vertraut.
»G’day, Sam.« Seine Stimme klang tiefer, rauer, einnehmender, als ich mich erinnern konnte. Und sie schlug wie ein Stromschlag durch meine Brust.
Ich erstarrte zu einer Salzsäule.
Und dachte nur: Verdammt.
Wellen von uns ist ab 22.05.2026 überall erhältlich.
Jennas Kaffeekasse
Wenn ihr das Bedürfnis habt, euch für meine Arbeit bedanken zu wollen, ladet mich gerne auf einen Kaffee ein. Ich danke euch!